KunstSpirative Itten

 

"Man muss über Gefühle denken und über das Denken fühlen."

(Daniel Barenboim)

"Der größte Feind der Kunst ist der gute Geschmack." 

(Marcel Duchamp)

Im folgenden finden Sie einige Zitate und Auszüge aus dem Buch vonMichael Hauskeller "Was ist Kunst" aus dem Beck Verlag ("becksche reihe")

 

 

Walter Benjamin

Der Faschismus betrieb mit Erfolg die Ästhetisierung und Auratisierung des politischen Lebens, so wurde selbst der Krieg zum Kunstwerk, zur heiligen Aufgabe.

Indem der Faschismus der Masse ästhetischen Ausdruck verschafft, verschleiert er, dass er an den bestehenden Eigentumsverhältnissen, also an der faktischen Ungerechtigkeit und Ungleichheit, auch nicht das mindeste zu ändern beabsichtigt.

Die auratische Kunst ist der Verfestigung des Bestehenden dienlich, gerade, weil sie nicht politisch ist.

Sie absorbiert den Betrachter, verlangt von ihm, dass er sich in sie versenke und dabei die Welt Welt sein lässt. Sie fordert seine ganze Aufmerksamkeit und gewährt ihm die Gunst, einzig für ihn da zu sein, somit ist sie asozial.

 

Bilder werden zu Beweisstücken im historischen Prozess. Statt einer Ästhetisierung der Politik bedarf es einer Politisierung der Kunst,welche wiederum die Zerstörung der Aura voraussetzt.

 



Theodor Adorno

Denn "nach den realen Katastrophen und im Angesicht kommender" hat Kunst ihre Selbstverständlichkeit eingebüßt, zurecht empfindet sie ein Unbehagen an sich selbst, ahnt die Schuld, die sie durch ihre Fortexistenz auf sich lädt in einer Welt, die so entsetzlich ist, dass nur völliges Verstummen ihr noch angemessen wäre.

Hörte aber die Kunst auf zu sein, so würde mit ihr auch jeder Widerstand gegen das Bestehende untergehen und damit jede Hoffnung auf eine andere, bessere Realität für immer zunichte werden.

Solange das Leben anders ist, als es sein sollte, muss es auch Kunst geben, um das Bewusstsein der Negativität solchen Lebens wach zu halten, die Erinnerung an das, was noch nicht ist, aber sein könnte, das noch ausstehende Glück.

„In jedem genuinen Kunstwerk erscheint etwas, was es nicht gibt“. Alle Kunst ist Utopie, sie verweist auf die Vorläufigkeit einer empirischen Realität, in der kein Glück von Dauer ist. So wird sie zum Statthalter unbeschädigten Lebens.

Allerdings darf die Kunst solches Leben nicht positiv zeigen, sobald sie dies tut oder auch  nur versucht, trägt sie dazu bei, dass schon für wirklich genommen wird, was doch gerade als Nichtseiendes, als noch zu Verwirklichendes, aufgewiesen werden sollte.

Anstatt die Empörung gegen das Bestehende zu bewahren, gegen die „Armseligkeit des Lebens, das immer zuwenig ist“, tröstet sie über dessen Mängel hinweg.

„In ihrer Wahrheit selbst, der Versöhnung, welche die empirische Realität verweigert, ist sie Komplize der Ideologie, täuscht vor, Versöhnung wäre schon.

Als Utopie ist Kunst eine Art Versprechen, dass die Realität einmal so werde wie sie, dass, was nun bloßer Schein ist, einmal so werde. 

Um das Leiden an der Wirklichkeit und die Sehnsucht an der Veränderung nicht zu schwächen, darf die Kunst nicht den geringsten Anschein von Versöhnung erwecken. Sie hat zu zeigen, was ist, aber auf eine Weise, dass dessen Falschheit erkennbar wird und damit zugleich das, was sein könnte, aber nicht ist.“

Mit dem Wahren, Schönen und Guten kann man sich in einer pervertierten Welt nur noch beflecken. Kunst muss hässlich sein, um solche Welt zu denunzieren, zu Ehren der vergewaltigten Schönheit.

Kunst muss grausam sein, muss Chaos in die Ordnung bringen, um so zu zeigen, wie chaotisch die Ordnung in Wahrheit ist.

Kunst muss wehtun, die Unwahrheit des gesellschaftlichen Zustands gegen alle Widerstände und Friedensangebote ans Licht zerren. Geradezu für den Wert eines Kunstwerks ist die Wut, die ihm entgegenschlägt.

Die allgegenwärtige Kunstindustrie ist wachsam und imstande, noch das widerständigste Werk zu kommerzialisieren, zu verdinglichen, zum Bildungsgut umzumünzen.

Schnell wird aus der absoluten Farbkombination ein Tapetenmuster, das wir unbeschwert als schön genießen. Sobald aber Kunst genossen wird, ist es auch schon um sie geschehen.

Nur der Banause genießt, und die Kulturindustrie macht uns alle zu Banausen, indem sie die Kunst zu einem somatischen Stimulans erniedrigt. Anstatt ins Denken zu geraten, werden wir dazu ermutigt, uns unterhalten zu lassen und so unsere Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Zuständen zu vergessen.

 

Die Ware Kunst (...) macht uns vor, alles sei gut, obwohl nichts gut ist.

Darum befindet sich die Kunst in einem ununterbrochenen Abwehrkampf gegen die Gesellschaft, die sie bereitwillig aufnimmt, nur um ihr auf diese Weise den Garaus zu machen.


Für eine Gesellschaft ohne Dummheit und Angst